Gemeinsam für ein lebendiges Stiepel seit 1854

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Märchen beginnen: Es war einmal!

Was aber was im Jahre 1927 Jahren begonnen hat, war kein Märchen. Es waren die Männer vom Henkenberg, die am 1. April 1927 den Mut hatten, auch hier einen Bürgerschützenverein zu gründen. Sie hatten nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die Zeichen der Zeit erkannt, die geradezu nach solch einer Initiative riefen. Der Schützenverein Bochum-Stiepel und insbesondere die Kompanie Henkenberg haben sich wohl seit ihrer jeweiligen Gründung neben der Hauptaufgabe, sportliche Erfolge im Schießen zu erzielen, auch die Aufgabe gestellt, die Gemeinschaft und die sich daraus ergebende Geselligkeit zu pflegen. Diese Gemeinschaft, in der im Laufe der Jahre zwar die Namen und Gesichter wechseln, beweist aber auch in der schnelllebigen Zeit unserer Tage ihre Daseinsberechtigung fast täglich neu, ruhend auf dem Fundament von Tradition und Zusammengehörigkeitsgefühl. Nach dem Willen der Gründungsväter eine Gemeinschaft von Schützenkameraden ohne Unterschied des Gesellschaftlichen Standes.

Es war also im April des Jahres 1927, als unsere Henkenberger Ewald Stracke, Fritz Hoose, Wilhelm Hoose, Fritz Lutz und Wilhelm Ketteltasche nach der Schicht von der Zeche Klosterbusch bei der Wirtschaft Sonntag einkehrten. In vorgerückter Stunde ist Ihnen dann der Gedanke gekommen, auf dem Henkenberg einen Schützenverein zu gründen. Der Anstoß zu diesem Schritt dürfte die Tafel des schon bestehenden Schützenvereins Mailand gewesen sein.

Gründer der Kompanie Henkenberg Anno 1967 Heinrich Becker, Emil Haarmann, Wilhelm Hoose Sen., Ewald Stracke, Gustav Vohwinkel jun., Fritz Wefelscheid Gustav Vohwinkel sen., Ewald Wüppenhorst, Gustav Wüppenhorst, Fritz Lutz, Fritz Zimmermann


Einige Tage später kamen unsere angehenden Schützenkameraden zum Henkenberg, um die einmal gefassten Gedanken in die Tat umzusetzen. Wie nicht anders zu erwarten, war der Sohn Heinrich des damaligen Gastwirtes Wilhelm Becker hiermit einverstanden und gemeinsam ging man nunmehr auf das gesteckte Ziel los. Zu den bereits erwähnten Henkenbergern gesellten sich am nächsten Sonntag noch einige Nachbarn mit der Absicht, den Schützenverein zu gründen. Aber, es fehlten Statuten, die auch damals schon zur Gründung eines Vereines gehörten. Um diese Hürde zu überspringen, machten sich Heinrich Becker und Walter Schnupf auf den Weg nach Blankenstein um sich die Statuten zu besorgen. Wie überliefert, sollen die Statuten recht schwer gewesen sein, denn ohne zu schmieren (Schnaps und Bier) waren diese nicht über die Ruhr nach Stiepel zu kriegen. Selbst der Marsch durch die Ruhr hinderte die beiden nicht, die Statuten sicher zum Henkenberg zu bringen.

In der Gründungsversammlung wurde als 1. Vorsitzender Wilhelm Ketteltasche und als 2. Vorsitzender Heinrich Kroniger gewählt. Das erste Gewehr, mit dem die Kompanie schießen konnte, war ein Luftgewehr, welches von dem Vereinswirt Wilhelm Becker zur Verfügung gestellt wurde.

Die Ergebnisse der ersten Schießen waren so gut, dass man sich bald entschloss, eine „Donnerbüchse" zu kaufen. Das Gewehr war ein Sportgewehr (das Kaliber entsprach dem Karabiner 98) und kostete zur damaligen Zeit bereits ca. 500 RM. Dem Schießwart oblag nicht nur das Einschießen, sondern auch die Herstellung der Munition. Da unsere Kompanie zu der Zeit noch keinen eigenen Stand hatte, wurde auf anderen Ständen in der Umgebung geschossen. Gleich nach der Gründung ging es auch schon zu anderen Vereinen zum Vergleichsschießen wie z. B. nach Papenholz, zur Castroper Str., nach Fernholz, ins Ludwigstal usw.

Auch damals wurden schon Gruppen zusammengestellt, die dann im Wettkampf gegen die Gruppen der anderen Vereine antraten. Es wurde auf Ständen mit Entfernungen zwischen 75 und 180 m geschossen. Wir wollen erwähnen, dass bei diesen großen Entfernungen die Schützenkameraden im Vergleich zu heute keine leichte Aufgabe hatten.

Wenn man bedenkt, dass trotzdem sehr schöne Preise errungen wurden, so kann man sagen, dass die Kompanie auch in ihren Anfangsjahren bereits gute Schützen in ihren Reihen hatte.

Für gute Beteiligung der Schützen bei den einzelnen Vergleichsschießen sorgten schon die Frauen der Kompanie, denn dabei bot sich ihnen die Gelegenheit, auch ein paar Stunden außerhalb des Henkenbergs zu verbringen. Man benutzte diese Gelegenheit auch, um nach dem Wettkampf einige Stunden gemütlich zusammen zu sitzen. Eine schöne Erinnerung war noch die Stand Einweihung des Standes bei Fernholz in Weitmar-Neuling. Die Kompanie war mit zwei Gruppen = 10 Mann angetreten. Als 1. Preis wurde 15 Pfd. Gehacktes mit zum Henkenberg genommen. Eine humorvolle Begebenheit ereignete sich manchen Sonntagmorgen, wenn der 2. Vorsitzende Heinrich Kroniger zu Pferd den Henkenberg heruntergeritten kam. Sämtliche hier anwesenden Schützen traten auf Kommando heraus und empfingen den Reiter mit „militärischen" Ehren.

Am 17.12.1933 schloss sich unsere Kompanie dem Bürgerschützenverein Bochum-Stiepel 1854 e. V. an. Durch diesen Schritt wurden auch die Vereinsfarben von Grün-Weiß in Blau-Weiß geändert. Das erste Schützenfest, an dem die Kompanie Henkenberg teilnahm, war im Juni 1935. Der Vogel wurde erstmalig auf dem Henkenberg abgeschossen. Schützenkönig wurde Heinrich Welker, der sich als Königin Frau Gertrud Rumberg erwählte. Das Festzelt war auf dem Sportplatz bei Westermann aufgestellt. Der Festzug bewegte sich über die mit Girlanden und blau-weißen Fahnen geschmückte Henkenberg- Straße zum Festzelt. Die Begeisterung und Anteilnahme der Stiepeler Bevölkerung war sehr groß. Die Offiziere trugen zu dieser Zeit noch Degen und die Schützen jeweils ein Holzgewehr.

Dies ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt aus der Geschichte unserer Kompanie. Es wird uns eine Verpflichtung sein, zu versuchen, die Tradition der Kompanie Henkenberg über die Gegenwart in die Zukunft weiter fortzuführen, verbunden mit der Heimat, unseres „Königreich Stiepel".